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Der Stein von Rosetta im Visier der Pseudo-Historiker

TentovBoshevski

Die "Historiker" Boshevski und Tentov

Seit einigen Monaten kursiert auf vielen Internetseiten der EJRM eine „akademische“ Studie über den Stein von Rosetta. Die „Forscher“ Tome Boshevski und Aristotel Tentov aus der ehemaligen jugoslawischen Republik Mazedonien haben ihre Studie über diesen Steinblock veröffentlicht – die Thesen dieser „Wissenschaftler“: Auf dem Rosetta-Stein sei eine Vor-Form der heutigen „mazedonischen“ (süd-slawisch) Sprache!

Die „Forscher“ gehen sogar weiter:

Wir glauben, dass die antike makedonische Sprache ein Vorläufer nicht nur aller heutigen Sprachen auf dem Balkan, aber aller slawischen Sprachen sei. Wir glauben – und mit der Zeit wird das bewiesen – dass all‘ diese Sprachen von der antiken makedonischen Sprache abstammen. Lassen Sie uns also sagen, die antike makedonische Sprache war eine proto-slawische Sprache!

Die Thesen dieser zwei Historiker wurden nie auf einem seriösen wissenschaftlichen Magazin oder einer Zeitung veröffentlicht, noch bekamen beide die Erlaubnis ihre Arbeit außerhalb der EJRM auf Fakultäten mit ägyptologischen oder antiken griechischen Lehrstuhl zu präsentieren oder darüber zu referieren – aus dem einfach Grund weil ihre Arbeit nicht ernst genommen wird! Anders jedoch in der ehemaligen jugoslawischen Republik Mazedonien – Medien, Internetseiten, Foren und Videoportale wie youtube präsentieren diese Thesen wie die historische Sensation des 21. Jahrhunderts, und all das um eines zu beweisen: Die heutigen „Mazedonier“ seien die Nachfahren der antiken Makedonen. Geschichte ad absurdum für Ägyptologen – gefundenes Fressen für revisionistische Nationalisten.

Doch was ist der Rosetta-Stein eigentlich?

rosettastein

Der Rosetta-Stein

Der Stein von Rosetta ist ein ca. 1,15 m hoher und ca. 73 cm breiter Steinblock (Stele) mit dem Gewicht von ca. 765 kg und stammt aus dem Jahr 196 v. Chr.. Der Steinblock enthält eine bilinguale (zweisprachige) Inschrift in drei Versionen. Zu Ehren des damaligen griechisch-stämmigen (aus Makedonien) ägyptischen Königs Ptolemaios V.: Epiphanes Eucharistos (griech. Πτολεμαίος E‘ ὁ Ἐπιφανής). Es handelt sich um ägyptische Hieroglyphen, demotisches ägyptisch und der griechischen Sprache (Koine). Der Block enthält also dreimal den gleichen Text in verschiedener Schreibform – und gilt wegen der griechischen Sprache als eines der wichtigsten Artefakte zur Entzifferung der ägyptischen Schriften. Hochauflösendes Bildmaterial finden Sie hier: [Bild 1][Bild 2]. Der Steinblock steht heute im British Museum [1].

Kurzer geschichtlicher Rückblick:

Nach dem Feldzug Alexanders des Großen und dessen Tod wurde sein riesiges Reich unter seinen Feldherren aufgeteilt. Dabei bekam Ptolemaios I.: Soter (Πτολεμαῖος Α‘ ὁ Σωτήρ) das Gebiet in Ägypten und somit wurde die griechische Sprache die administrative Sprache in Ägypten [2]. Im Jahre 304 v. Chr. erfolgte seine Krönung wodurch er sich später auch als Pharao sah. Vier Generationen später kam dann Ptolemais V. an die Macht – ihm zu Ehren wurde der Steinblock gefertigt.

Der Boshevski-Tentov- Revisionismus:

links: griechisch; mitte: demotisches Ägyptisch; rechts: ägyptische Hieroglyphen

links: griechisch; mitte: demotisches Ägyptisch; rechts: ägyptische Hieroglyphen

Obwohl Ägyptologen vom ersten Tag der Entdeckung die zwei ägyptischen Schreibformen und die griechische Sprache identifizieren konnten, behaupten die Pseudo-Historiker schamlos: Es handle sich um ägyptisch, griechisch und statt demotisch, die proto-slawische Sprache – ein Vorläufer der heutigen „mazedonischen“ Sprache. Obwohl die Slawen erst im 6. Jahrhundert nach Christus in die geographische Region Makedonien wanderten, behaupten Boshevski und Tentov, dass die Sprache schon im 3. Jahrhundert vor Christus durch Alexander dem Großen nach Ägypten kam. Dass hier bekannte Studien der Anthropologie vollkommen ausser Acht gelassen werden muss wohl nicht näher erläutert werden!

Aber um diese absurden Ansprüche zu verstehen braucht man gar nicht so weit zurück zu gehen. Seit der Unabhängigkeit der EJRM nach dem Zerfall Jugoslawiens, hebt die mehrheitlich slawisch bevölkerte ehemalige jugoslawische Republik Mazedonien Ansprüche auf das antike nordgriechische Volk der Makedonen. Ihrer Ansicht nach waren die antiken Makedonen ein von den restlichen Griechen komplett eigenständiges Volk – dass die antiken Makedonen eine komplett griechische Kultur hatten, die griechische Sprache sprachen und dies auch so im antiken Ägypten und nach Indien brachten scheint in der EJRM wohl keinen zu interessieren.  Aber das Prinzip ist einfach: Da Slawen keine Makedonen sind, werden Makedonen eben zu Slawen gemacht!

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