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Spannungen zwischen Bulgarien und der ehemaligen jugoslawischen Republik Mazedonien

Das Verhältnis zwischen Bulgarien und der ehemaligen jugoslawischen Republik Mazedonien kriselt – und zwar heftig. Alles began mit der Einsperrung einer jungen bulgarischen Mutter in der Stadt Gevgelija nahe der Grenze zu Griechenland in der ehemaligen jugoslawischen Republik Mazedonien. Weil die 23-jährige Spaska Mitrova nach der Scheidung von ihrem Ehemann nicht mehr wollte, dass dieser das Kind bei ihren Eltern besucht, wurde sie von einem Gericht in der EJRM zu einer Freiheits- und Geldstrafe verurteilt – ihr dreijähriges Kind kam in ein Kinderheim.

Die Familie der jungen Spaska Mitrova befürchtet, dass dies andere Gründe haben könnte. Spaska war politisch sehr aktiv und Mitglied der Vereinigung „Radko“, einer Gemeinschaft von Bulgaren in der ehemaligen jugoslawischen Republik Mazedonien. Die junge Mutter und Lehrerin die in Bulgarien studierte und in der ehemaligen jugoslawischen Republik Mazedonien als Lehrerin tätig war wurde urplötzlich gekündigt mit der Begründung, dass die EJRM Abschlusszeugnisse aus Universitäten des EU-Landes Bulgarien nicht anerkenne.

Die Familie der jungen Mutter ist sich sicher, dass die Kündigung mit ihrer bulgarischen Herkunft und ihrer pro-bulgarischen Einstellung zusammenhängt, wie sonst hätte sie ihren Beruf vorher so lange ausüben können oder wäre überhaupt eingestellt worden?

Das auswärtige Amt der Republik Bulgarien bezweiftelt die Neutralität der lokalen Behörden – im Gegenteil: Der Richter soll die junge Mutter bei der Vernehmung sogar als „bulgarische Hure“ beleidigt haben. Bulgarien vermutet, dass die junge Mutter wegen der öffentlichen Bekundung ihres bulgarischen Nationalbewusstseins mit einer Freiheitsstrafe verurteilt wurde. Der Fall erreichte sogar die Staatspräsidenten beider Länder die mittlerweile versuchen eine Lösung für das Problem zu finden und die junge Mutter zu entlassen – als Basis wurden hier, auch wegen dem Kleinkind, humanitäre Gründe angegeben.

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November 1944: Eine vom jugoslawischen Staat einberufene Kommission zum Entwerfen des "mazedonischen" Alphabetes, welches genauso wie alle anderen slawischen Sprachen auf Kyrillisch aufgebaut ist

Die Wurzeln des angespannten Verhältnisses beider Staaten liegen tatsächlich tiefer. Beide Staaten haben eine gemeinsame aber doch sehr umstrittene Geschichte.

Bulgarien war zwar beim Zerfall Jugoslawiens der erste Staat, der die EJRM mit dem Namen „Republik Mazedonien“ anerkannte. Genauso wie Griechenland und andere Staaten, erkennt auch Bulgarien keine eigenständige „mazedonische“ Nation oder Sprache (Auch die EU-Kommission erkennt solch eine Nation nicht an – mehr Infos hier).

Bis zum Jahre 1944 beschrieb sich die heutige „mazedonische“ Nation als bulgarisch – dies änderte sich erst im kommunistischen Jugoslawien als der Dialekt in der Vardar-Region (heutige EJRM) in „mazedonisch“ umgetauft wurde. Eine damals zusammengeschlossene Kommission legte damals ein „mazedonisches“ Alphabet zusammen.

Bulgarien sieht die Bevölkerung der EJRM deshalb auch oft als ethnisch bulgarisch an, die nach kommunistischem Stil und Jugoslawien eine neue nationale Identität und Orientierung bekam um sich von anderen Slawen, vorallem Bulgaren zu distanzieren. Nicht nur Bürger der EJRM wechselten in den letzten Jahren zur bulgarischen Staatsangehörigkeit, sondern auch der ehemalige Ministerpräsident der EJRM Ljubco Georgievski. Dieser deklarierte offen seine bulgarische Ethnizität worauf er die bulgarische Staatsangehörigkeit anerkannt erhielt.

Seiner Ansicht nach, befinde sich das Land heute in einem Antike-Wahn der die Bürger des Landes zu direkten Nachfahren der antiken Makedonen erklärt. Sie seien heute trotz slawischer Sprache und Identität nur geringgradig slawisch, dafür aber legitime Erben eines einst legendären makedonischen Griechen – welcher nach ihrer Ansicht natürlich nicht Grieche war, sondern Vorreiter ihrer eigenen „proto-slawischen“ und ältester Kultur auf dem Balkan.

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Gefährdet nun Bulgarien den EU-Beitritt der EJRM?

Die Bevölkerung der ehemaligen jugoslawischen Republik Mazedonien und Bulgarien verstehen sich sprachlich untereinander ohne Umwege. Nicht nur die Sprache ist gleich: Die zwei Länder haben oft gleichen Personen- und Ortsnamen, gleiche Bräuche aber auch die gleichen Nationalhelden. Die ehemalige jugoslawische Republik Mazedonien beansprucht kurioserweise nicht nur Persönlichkeiten des antiken Griechenland und weißt diese als „mazedonisch“ im Sinne von slawischer Herkunft und nicht-griechisch aus, sondern auch bulgarische Persönlichkeiten wie z.B. den Zaren Samuil.

Bulgarien hat seinem Nachbar mittlerweile klar gemacht, dass die Unterstützung für den angestrebten EU-Beitritt der EJRM wackelt. Der Historiker, Politiker und Direktor des nationalen bulgarischen historischen Museums von Sofia Boshidar Dimitrov bezeichnete die ehemalige jugoslawische Republik Mazedonien als ein Land, das an seiner Identitätskrise leide.

Es gab ein Gesetz, welches das bulgarisch sein als eindeutiges kriminelles Vergehen oder strafbare Handlung beschrieb. Eine Freiheitsstrafe von drei bis fünf Jahren konnte in diesem Fall ausgesprochen werden. Dieses Gesetz wurde zwar verworfen, Bulgaren werden aber dennoch wegen ihrer politischen Ansichten verfolgt. Das ist der Versuch die „Re-Bulgarisierung“ der Bevölkerung (in der EJRM) zu verhindern.


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